© unsplash / Green Chameleon

RHETORIK – DIE KUNST, SICH GEHÖR ZU VERSCHAFFEN

Zittrige Hände, trockener Mund, Herzklopfen? Und plötzlich ist er da: der Moment, in dem du sprichst und alle zuhören. Egal ob Matura, Bewerbung oder Uni-Vortrag: Jetzt kommt es darauf an, wie du wirkst – mit deiner Stimme, deiner Haltung und deinen Worten. Und das Schöne daran? Gute Rhetorik ist vor allem Trainingssache.

WARUM RHETORIK DICH WEITERBRINGT 

Rhetorik ist mehr als „schön reden“. Sie bedeutet, dich selbst und deine Ideen verständlich, klar und souverän zu präsentieren. Wer das kann, überzeugt in der Schule, im Studium und im Beruf. Kurz gesagt: Rhetorik ist dein Werkzeug, um gesehen und gehört zu werden. 

DEIN AUFTRITT – KÖRPERSPRACHE, DIE WIRKT

Noch bevor du ein Wort sagst, hast du mit deinem Körper, deinem Blick, deiner Haltung schon gesprochen. Studien zeigen: Ein großer Teil unseres Eindrucks entsteht durch nonverbale Signale, also durch Gestik, Mimik und Stimme. Egal, ob du willst oder nicht: dein Körper spricht immer mit. 

SO GELINGT DEIN AUFTRITT:

  • Atme tief ein und aus. Ruhige Atmung heißt ruhige Stimme
  • Steh stabil, aber locker. Beide Füße am Boden, Schultern entspannt, Kopf hoch
  • Lächle. Es wirkt sympathisch und beruhigt dich selbst
  • Halte Blickkontakt z. B. mit Freunden im Publikum. Das zeigt Interesse, schafft Verbindung und gibt dir einen Fixpunkt
  • Hände offen halten. Das signalisiert Ehrlichkeit und Offenheit
  • Arme nicht verschränken. Das wirkt abwehrend und verschließt dich – im wahrsten Sinne
  • Gestik bewusst einsetzen. Beweg dich ruhig, aber nicht starr. Bewegungen sollen das Gesagte unterstreichen, nicht überdecken

DIE KUNST DES KLAREN SPRECHENS 

Manche reden schnell, andere zu leise, viele verlieren sich in langen Sätzen. Dabei gilt: Klarheit schlägt Komplexität. 

  • Einfach statt kompliziert: Sag lieber drei klare Sätze als einen verschachtelten
  • Mach Pausen: Sie geben dir Kontrolle und deinem Publikum Zeit zum Denken
  • Betone wichtige Wörter: So lenkst du die Aufmerksamkeit gezielt
  • Vermeide Füllwörter: Sie schwächen deine Wirkung
  • Übung: Nimm dich beim Sprechen auf oder präsentiere dich vor Freund:innen oder Familie. Wenn du dich langweilst, wird’s auch dein Publikum tun. Wenn du lächelst, hört man das

 

STEH GERADE, SPRICH LAUT GENUG UND LASS DICH NICHT KLEINREDEN. SELBSTSICHERHEIT ZEIGT, DASS DU DEINE LEISTUNG ERNST NIMMST.

MERKE: WENN HALTUNG, STIMME UND WORTE ZUSAMMENPASSEN, WIRKST DU GLAUBWÜRDIG UND PRÄSENT. KÖRPERSPRACHE KANN DAS GESAGTE VERSTÄRKEN (ODER VÖLLIG ENTWERTEN). 

WENN DU SPRICHST, HÖRT MAN DEINE HALTUNG

Mit der richtigen Rhetorik zeigst du, was in dir steckt. Sprich mit Überzeugung, aber bleib du selbst. 

  • Sprich, wie du denkst, nicht wie aus dem Lehrbuch
  • Lache, wenn es passt. Humor öffnet Türen und schafft Emotion
  • Steh zu Pausen. Stille ist kein Fehler, sie zeigt Präsenz
  • Zeig Begeisterung. Leidenschaft wirkt ansteckend

 

Merke: Menschen erinnern sich selten an alles, was du sagst – aber sie merken sich, wie sie sich dabei gefühlt haben. Überleg dir vorher, welche Punkte in Erinnerung bleiben soll

RHETORIK IM ALLTAG

Die richtige Rhetorik nutzt dir in allen Lebenslagen. Sie hilft dir in Gesprächen mit Lehrer:innen, im Freundeskreis oder später im Job. Jede Unterhaltung ist eine kleine Bühne – nutze sie, um dich zu üben.
Hier Trainingsideen für deine Alltag: 

  • 1-Minuten-Reden: Wähle ein Thema (z. B. „Kaffee“, „Sommerferien“) und sprich 60 Sekunden frei
  • Feedback holen: Frag Freund:innen, wie du wirkst
  • Spiegel-Check: Schau dir beim Sprechen zu. Wie wirken Haltung und Mimik?
  • Stimme trainieren: Lies Texte laut vor: Vorlesen ≠ Durchlesen

DIE 5-SATZ-TECHNIK – 

FÜR KLARE ARGUMENTATION 

Ob in der Prüfung, beim Referat oder in Diskussionen: manchmal zählt nicht nur, was du sagst, sondern wie du es strukturierst. Die 5-Satz- Technik hilft dir, Gedanken logisch und überzeugend aufzubauen: 

1. Behauptung: Sag klar, was du meinst. 

2. Begründung: Erkläre, warum das so ist. 

3. Beispiel: Mach’s greifbar und anschaulich. 

4. Folgerung: Zeig, was daraus entsteht. 

5. Schlussappell: Runde ab oder leite weiter. 

 

Beispiel: 

„Ich finde, regelmäßige Pausen sind wichtig (1), weil sie die Konzentration erhöhen (2). Nach einer kurzen Pause kann ich mich viel besser fokussieren (3). Wer sich regelmäßig Zeit zum Durchatmen nimmt, arbeitet langfristig erfolgreicher (4) – also gönn dir zwischendurch Ruhe! (5)“ 

Diese einfache Struktur hilft dir, ganz ohne auswendig zu lernen, spontan klar zu argumentieren. Je öfter du übst, desto natürlicher wirst du. Denn Rhetorik wächst mit jeder Erfahrung.